Freitag, 17. Mai 2013

Lawrow zu den S-300 für Syrien

Offizielles. Aus einem Interview des Außenministers der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, für das libanesische Nachrichtenportal Al-Mayadden vom 13. Mai 2013 und veröffentlicht auf der Seite des Außenministeriums der RF:

Frage: Sergej Wiktorowitsch, am 10. Mai d.J. haben Sie in Warschau erneut bestätigt, dass Russland die Lieferung von Luftabwehrsystemen an Syrien entsprechend der vor einigen Jahren unterzeichneten Verträge ausführen will. In diesem Zusammenhang äußerte Israel, das vor kurzem einen Luftangriff auf Syrien unternommen hat, Besorgnis und sprach davon, dass es sich dabei um Systeme vom Typ S-300 handelt. Ist das so?

S.W. Lawrow: Ich möchte noch einmal wiederholen, dass wir keinerlei neue Verträge unterzeichnet haben, sondern lediglich alte Verträge erfüllen (und teilweise schon erfüllt haben), die Luftabwehrsysteme betreffen. Diejenigen, die keine aggressiven Handlungen gegen einen souveränen Staat planen, brauchen sich nicht zu sorgen, denn Luftabwehrsysteme sind, wie der Name schon sagt, reine Verteidigungssysteme, welche für die Abwehr von Angriffen aus der Luft erforderlich sind. Damit verletzen wir keinerlei Gesetze, und wollen auch nicht unseren Ruf als zuverlässigen Lieferanten verlieren.

Frage: Anfang Mai hat die israelische Luftwaffe Objekte auf dem Gebiet der Syrischen Arabischen Republik angegriffen. Das Außenministerium der RF gab danach eine Erklärung ab, in der es hieß, dass man in Moskau diesen Zwischenfall analysiert und untersucht, um entsprechende Schlüsse zu ziehen. Einige haben Ihre Äußerungen in Warschau als eine gewisse Antwort auf die Ereignisse um den Luftangriff aufgefasst. Kann man die Verlautbarungen der russischen Seite als Hilfe für Syrien auffassen, das damit seine Luftverteidigung stärkt, um künftig solche Luftangriffe zu vermeiden?

S.W. Lawrow: Schon vom Ansinnen her werden Luftverteidigungssysteme geliefert, um das Land, welches sie erwirbt, vor Luftangriffen zu schützen. Doch die Verträge, um die es hier geht, wurden lange Zeit vor den Luftangriffen auf Syrien des vergangenen Jahres und dem jetzigen unterzeichnet. Als wir sagten, wir wollen alle Umstände dieser Angelegenheit untersuchen, haben wir vieles für uns schon geklärt. Wir wollten wissen, welche Ziele genau von den Angriffen betroffen waren. Nach unserer Einschätzung gehören diese Ziele tatsächlich in den Bereich der Funktion der militärischen Verteidigung Syriens. Ich will mich dabei nicht in Details verlieren...

Samstag, 11. Mai 2013

Reyhanli

Nur ein kurzer Kommentar. Der türkische Innenminister teilt mit, dass die Anschläge in dem oben genannten Ort irgendwie mit dem "syrischen Regime und seinen Geheimdiensten" zu tun haben. Erdogans Andeutung hat man also schnell verstanden.

Bei jedem Verbrechen ist dessen Motiv von Interesse. Ein Anschlag, der von einem Staat oder einer Regierung ausgeht, wird als Sabotage oder allgemein als eine Diversion bezeichnet. Also eine Akion, die mit Bedacht geplant wird und eine konkrete Aufgabe, ein konkretes Ziel hat. Welche Aufgabe die syrischen Geheimdienste gehabt haben sollen, indem sie vollkommen unmotiviert ein paar Bomben in Reyhanli hochgehen lassen, ist völlig unbegreiflich. Es sei denn, Syrien hat beschlossen, dass die Türken nun lange genug verdächtig ruhig gewesen sind und es an der Zeit ist, sie zurück in die Arena und ins Gerede zu bringen. Wenn das die Aufgabe gewesen ist, dann ist sie gelungen. Eine solch schnelle Aufklärung des Anschlags durch die türkischen Behörden zeugt davon, dass man am Anschlagsort den entsprechenden, von Assad persönlich unterzeichneten und abgestempelten Befehl zu dessen Verübung gefunden hat. Damit die türkischen Sicherheitsdienste nicht erst in Zweifel geraten. Aber das tun sie ohnehin nicht.

Freitag, 10. Mai 2013

Nichts persönliches, nur Business

Nach Herrn Kerry eilt der britische Premier Cameron nach Moskau. Zum gleichen Thema - Syrien. Das Motto dieser Visiten: “Die Gewalt nimmt weiter zu, deshalb müssen wir schleunigst einen Ausweg aus dieser Situation besprechen.”

Die Frequenz, mit der Führungspersönlichkeiten und oberste Amtsträger derzeit in Moskau vorsprechen, zeugt zweifelsfrei von zwei Fakten: Erstens, die Lage in Syrien bricht insgesamt tatsächlich zugunsten der legitimen syrischen Regierung um. Geht es so weiter, wird die Lage bald irreversibel, wenn sich nicht schnell jemand einmischt - die rein militärische Niederschlagung der “terroristischen Internationale” ist durchaus wahrscheinlich.

Sonntag, 5. Mai 2013

Osternacht in Damaskus

Aus durchaus nachzuvollziehenden Gründen werden wohl die Einzelheiten zum israelischen Angriff auf Damaskus nicht detailliert und mit offiziellen Statements und Bestätigungen versehen werden. Derweil gibt es allerdings Einzelheiten, die, um es so zu sagen, unbestätigt sind.

Israel griff Damaskus von libanesischem Gebiet aus an, insofern ist der syrische Luftraum formal gesehen nicht verletzt worden. Angegriffen wurden: der Stab der 4. Division der Syrischen Arabischen Armee, Kasernen der 104. und 105. Brigaden der Republikanischen Garde (die als die Eliteeinheiten innerhalb der Garde gelten, in deren Obliegenheiten auch die Sicherheit des syrischen Präsidenten fällt). Seinerzeit hat Israel behauptet, dass es jene 104. Brigade ist, innerhalb derer Militärberater aus dem Iran fungieren.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Von Löwen und Bären

Wadim Fefilow (NTV) unter Dschihadisten in Aleppo
Es gibt immer wieder Unklarheiten darüber, wie sich denn nun “Russland” letztlich bezüglich Syrien verhalten wird, und dabei reichen die Meinungen von “Putin hat Syrien abgeschrieben” bis “Russia Suriya my friend” [sic im jüngsten Video von ANNA-News aus Süd-Daraya]. Die Unklarheit rührt daher, dass eine solch gespaltene Einstellung bis in die hohen politischen Ränge der RF besteht, was man mitunter auch an der Berichterstattung nachvollziehen kann.

Vor drei Tagen brachte der russische, quasi staatliche TV-Sender NTV eine Reportage über die Rebellen in Aleppo. Federführend war der bekannte russische TV-Journalist Wadim Fefilow, der ebenso vor einiger Zeit bereits durch gar nicht so schlechte Reportagen über “Al-Kaida” glänzte. Bei der letzteren war er in den Tiefen des Jemen und Somalias unterwegs und hat wirklich eine Menge an interessantem Material zu einer teils ernüchternden Dokumentation zusammengefasst, die denn auch den Titel “Terra Al-Kaida” bekam und damit leidlich bekannt wurde. Die Rebellenreportage aus Syrien nun heißt, vielleicht daran angelehnt, “Das Territorium der AK”, wobei er “AK” primär als Kürzel für das bekannte russische Maschinengewehr versteht, dabei aber sicherlich auf “Al-Kaida” anspielt.

Montag, 29. April 2013

Syrien: Spenden aus Deutschland (Aufruf)

Erst eine ganze Reihe an Erkundigungen hat ergeben, dass Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien derzeit eine Spendensammlung innerhalb ihrer deutschen Gemeinden und darüber hinaus durchführt, die noch bis zum 29.04.2013 läuft. Das soll (von hier aus) eine erste, für deutsch(sprachig)e Verhältnisse realistische Möglichkeit sein, den Menschen in Syrien konkret, dabei aber außerhalb eines politischen Kontexts, zu helfen. Dass die Spenden nicht an konfessionellen oder religiösen Grenzen Halt machen, ist nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich, wenn man die doch sehr patriotische Einstellung der Syrer kennt: “Die Seele Gott, Syrien mein Herz!”

Donnerstag, 25. April 2013

Ende eines Experiments

Blühende Landschaften im albanisierten Kosovo
Wenngleich das Augenmerk hier im Blog, geographisch gesehen, eher auf Nahost und Nordafrika liegt, so soll das nicht bedeuten, dass die Technologien, die derzeit in diesen Gefilden angewandt werden, nicht einmal separat in anderem geographsichen Kontext beleuchtet werden. Eine solche Gelegenheit ergibt sich derzeit durch die Nachricht, Serbien habe mit seiner eigenen Provinz Kosovo ein Abkommen geschlossen, das, abgesehen von einer Akzeptanz der Souveränität der letzteren, auch den Status der "serbischen Enklaven" im albanisierten Kosovo festigen soll. Dieses Abkommen stellt das offizielle Ende einer experimentellen Anwendung neuer Technologien der Kriegführung dar, die inzwischen in anderen Regionen und großflächig eingesetzt werden.

Donnerstag, 18. April 2013

Panzerverluste

Trabant 601s DeLuxe in Daraya
Eine der bekanntesten Medien-Kampfparolen im Informationskrieg gegen die Feinde der “zivilisierten Welt” lautet: “Die Authentizität dieser Bilder kann nicht unabhängig überprüft werden”. Im Internetz gibt es aber scheinbar Laienexperten für alles. Darunter auch solche, die sich jeden Tag stundenlang die berüchtigten “Rebellenvideos” reinziehen und dann mit offen verfügbaren Mitteln daran gehen, die genaue Lokalität der Aufnahmen zu bestimmen und daraus taktische Karten der aktuellen Lage abzuleiten.